Kategorie: Produkte

  • Das allerbeste Nutella

    Kann man als Veganer jedes Mal begeistert applaudieren, wenn die Lebensmittelindustrie eine vegane Alternative zu einem bestehenden Produkt auf den Markt bringt?

    Das glaube ich nicht.

    Im Gegenteil, ganz im Gegenteil.

    Schauen wir uns anhand einer der größten Ikonen der Junkfood-Industrie einmal an, welche verabscheuungswürdige Logik hinter der Einführung pflanzlicher Alternativen steckt.

    Die Wahrheit über Nutella

    Nehmen wir zum Beispiel Nutella. Diese Marke für gezuckerten Brotaufstrich hat ebenfalls eine vegane Variante ihres Flaggschiffprodukts auf den Markt gebracht. Diese ist heutzutage in klassischen Supermärkten leicht zu finden.

    Lassen Sie uns eines klarstellen.

    Was ist Nutella eigentlich?

    Nutella ist ein stark verarbeitetes Produkt. Es handelt sich im Wesentlichen um teuer verkauften Zucker mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten und einem geringen Anteil an Kakao (etwa 8 %) sowie Haselnussbestandteilen (etwa 13 %, wenn man dem Etikett Glauben schenken darf), um dem Produkt vor allem optisch einen Hauch von Haselnuss zu verleihen.

    Fast ein Zehntel des klassischen Nutella ist tierischen Ursprungs, genauer gesagt Milchprodukte in Form von Magermilchpulver.

    Die Berechnung ergibt, dass Zucker und gesättigte Fettsäuren zusammen sage und schreibe 70 % (!) dieser Mischung ausmachen. Was der Hersteller natürlich nicht ausdrücklich auf dem Etikett angibt. Es werden lediglich die Anteile der sogenannten „edlen“ Bestandteile aufgeführt. So läuft es nun einmal in der Lebensmittelindustrie. Dem Endverbraucher Sand in die Augen streuen.

    Die Zutatenliste auf dem Etikett der klassischen Nutella-Packung, die in Belgien im Regal steht, ist gut lesbar.

    Und dann gab es noch die pflanzliche Variante

    Nutella gehört also zu jener Produktklasse, die einen regelrechten Angriff auf die öffentliche Gesundheit darstellt und eigentlich nicht als Lebensmittel betrachtet werden dürfte. Es sei denn natürlich, wir legen die Messlatte noch einmal tiefer und betrachten beispielsweise die grassierende Fettleibigkeit bei Jugendlichen achselzuckend als „die neue Normalität“.

    Und schauen wir uns nun einmal die pflanzliche Alternative zu diesem Junkfood genauer an. Ja, dafür braucht man eine Lupe. Denn das Etikett des veganen Nutella in den belgischen Regalen ist buchstäblich u-n-l-e-s-b-a-a-r. Es handelt sich um eine winzige, komprimierte Schriftart, die in Braun auf einem braunen Hintergrund (der an Jute erinnert) gedruckt ist. Pech für die Veganer, die doch gerade mehr als andere Menschen klar lesbare Informationen über die Lebensmittel benötigen, die sie kaufen.

    Bei genauerer Betrachtung lässt sich – wenn auch nur mühsam – feststellen, dass die vegane Nutella fast dieselbe Grundzusammensetzung wie die klassische Variante aufweist, wobei Milch lediglich als mögliches Spurenelement aufgeführt und durch Kichererbsen (oder Kichererbsenbestandteile?) ersetzt wurde. Hier werden auch Reissirup und die – natürlich wie immer vagen und rätselhaften – „Aromen“ genannt. Verstehen Sie Letzteres als „nicht näher identifizierte künstliche Zusatzstoffe“, die dazu beitragen, Sie als Verbraucher auf biochemischem Wege von dem Produkt abhängig zu machen.

    Zusammengefasst: quasi derselbe Mist wie die klassische Variante, nur ohne Milch.

    Eine aufschlussreiche kleine Rechnung

    Werfen wir nun einen Blick auf den Preis: In einem zufällig ausgewählten Supermarkt in Belgien kostet das klassische Nutella im August 2026 4,12 Euro für eine Menge von 400 g, was 10,30 Euro pro Kilogramm Produkt entspricht. Die pflanzliche Variante wird für 5,45 Euro pro 350-g-Glas angeboten. Der Kilopreis der veganen Variante beträgt in diesem Geschäft sage und schreibe 15,57 Euro. Siehe die untenstehende Vergleichstabelle. Mit anderen Worten: Sie ist um die Hälfte teurer als die klassische Variante. Die Preise variieren von Supermarkt zu Supermarkt, doch der Preisunterschied zwischen der klassischen und der veganen Variante ist auch dort proportional ebenso groß. Beachten Sie den subtilen Gewichtsunterschied zwischen dem Inhalt der beiden Gläser, die optisch jedoch gleich groß erscheinen. Das deutet auf die bewusste Schaffung von Illusionen hin, sozusagen: Täuschung.

    Art NutellaGewichtPreis Laden 1Preis Laden 2Preis/kg Laden 1Preis/kg Laden 2
    Klassisch400 g4,12 €3,59 €10,30 €8,97 €
    Pflanzlich350 g5,45 €4,85 €15,57 €13,86 €

    Zu Recht oder nicht?

    Ist dieser Preisunterschied gerechtfertigt? Rechnen wir noch einmal kurz nach. Die 8,7 % Milchpulver in der klassischen Version entsprechen einer Menge von etwa 34 g. Standard-Milchpulver kostet, im Endverbraucherpreis, ca. 18,00 bis 20,00 Euro pro kg. Angenommen, die vegane Variante enthält etwa vergleichbare 9 % Kichererbsen, entspricht dies einem Gewicht von etwa 31,5 g. Kichererbsen kosten roh im Durchschnitt etwa 5,00 Euro pro kg. Gekochte Kichererbsen und Kichererbsenmehl sind etwas teurer, nämlich 6,00 Euro bzw. 9,00 Euro pro Kilogramm. Rechnet man das alles einmal durch, so beläuft sich der Wert des Milchpulvers auf etwa 0,65 Euro pro Glas gegenüber einem Wert von 0,24 Euro pro Glas für die Kichererbsen …

    Das rechtfertigt also, wie zu erwarten war, keineswegs den Preisunterschied zwischen der tierischen und der klassischen Variante, ganz im Gegenteil.

    Verachtung für Außenseiter

    Und das ist ein herber Schlag ins Gesicht der Verbraucher, die sich pflanzlich ernähren.

    Kichererbsen sind als Rohstoff also eindeutig und mit Abstand am günstigsten. Zudem weist der Anbau der Hülsenfrucht Kichererbse einen besonders geringen ökologischen Fußabdruck auf. Demgegenüber belasten die Rinderhaltung und die Milchindustrie die Umwelt und die Ökosysteme besonders stark.

    Das allein sollte schon Grund genug sein, das klassische Nutella sofort abzuschaffen und durch die pflanzliche Variante zu ersetzen. Zumindest für diejenigen, die sich selbst oder ihre Nachkommen weiterhin mit Megadosen raffinierten Zuckers vergiften wollen.

    So sieht man, wie die meisten dieser veganen Junk-Alternativen einmal mehr die tiefe Verachtung verdeutlichen, die die Lebensmittelindustrie de facto gegenüber Menschen hegt, die aus verschiedenen Gründen nicht einfach so in ihre Schiene passen.

    Wähle das beste Nutella aus

    Für den normalen Verbraucher ohne Vorkenntnisse über Ernährung (und das ist die große Mehrheit) wird die vegane Variante als die teurere Luxusversion von Nutella wahrgenommen, die keinerlei Mehrwert bietet und die er oder sie daher links liegen lassen wird. Dieses Produkt verstärkt lediglich das Klischee: pflanzlich = teuer.

    Nur der oft etwas besser ausgebildete Verbraucher mit einem ausgeprägteren Bewusstsein greift vielleicht für dieses Produkt in die Tasche. Und wird de facto als Goldesel betrachtet. Ein begrenztes Segment „anspruchsvoller“ Verbraucher, die ihren kritischen Sinn teuer bezahlen.

    Man muss schon masochistisch sein, um dieses Produkt kaufen zu wollen. Wir sollten unser Geld lieber für gesündere und ethisch vertretbarere Alternativen ausgeben. Denn der Eigentümer von Nutella, der multinationale Konzern Ferrero, hat obendrein eine äußerst schlechte Bilanz in Bezug auf Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Gesundheit.

    Das beste Nutella ist zweifellos das Nutella, das man links liegen lässt.